Resilienz als (eine) Antwort auf die großen Fragen dieser Zeit?

Resilienz: Trotze dem Sturm

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Wo hin geht es?

Es kann gut sein, dass ich übertreibe. Doch nehme ich es so wahr. Die nächsten Jahre werden für uns alle als Menschheit enorm spannend werden. In erster Linie, weil sie für einen radikalen Wandel von Lebens- und Arbeitswelt sorgen werden. Eine Revolution, die so groß und mächtig ist, dass wir sie uns heute kaum vorstellen können und somit auch keine Antwort auf die Fragen dieser Zeit kennen. Die schrittweise Digitalisierung und Automatisierung von Fertigung und alltäglichen Prozessen schaffen eine lange nicht da gewesene Freiheit. Wahrscheinlich müssen wir bis in die Antike zurückgehen und uns auf den Stereotypen des Denkers und Philosophen berufen. Also jenen weiß gekleideten Männern, die über die großen Fragen des Lebens sinnierten, der freien Liebe frönten und Sklaven ihre Arbeit verrichten ließen. Doch dies ist über 2.000 Jahre her und somit auch wenig greifbar.

Alles verändert sich

Doch was, wenn es statt unfreien Sklaven Maschinen und Roboter sind, die all die Dinge erledigen, die heute noch von Menschen erledigt werden. Straßenreinigung oder Transport sind vielleicht noch die am naheliegendsten Tätigkeiten. Doch auch heilige Kühe wie Versicherungen, Ärzte und Rechtsberatung werden dem Metzgermesser der immer feiner und genauer werdenden Algorithmen früher oder später zum Opfer fallen. Und da wären wir auch bei einem ersten Punkt. Verlust, Opfer, Wegfall. Wegfall wovon eigentlich? Nicht mehr Arbeiten wie bisher? Können, Dürfen, Gezwungen. Eine vollkommen neue Welt, in der wir arbeiten dürfen und nicht müssen. Betrachte ich dies von einer neutralen Position, dann ist das erst einmal interessant. Aus der inneren Position ist es eher what the fuck?! Was dann?

Weltveränderer

Und es gibt sie ja, die Menschen, die es bereits begriffen haben. Die sich vom System gelöst haben und ihren Weg gehen oder anderen dabei helfen. Sie bilden Communities, sie vernetzen sich und sie unterstützen sich dabei ein Teil dieses Wandels zu sein. Ich zähle mich selbst dazu, vielleicht nicht immer zu 100% und doch auf dem Weg, gehend und den Pfad begehend. Sicherlich ein Weg von vielen möglichen Wegen. In meinen Augen kein richtiger oder falscher Weg und es ist einer. Viele Menschen begehen einen anderen. Und viele von ihnen sehen die Dinge, die da kommen werden auch eher als Gefahr, als Vorbote von großem Chaos. Und ich kann sie da sehr verstehen. Die Beschleunigung und rasante Entwicklungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts führten zu einer Endzeit-Stimmung unter den Menschen und mündeten nebst schweren Unruhezuständen schließlich in zwei katastrophale Kriege. Diese Zustände sind Nährboden für ewig gestrige, nationalistische Tendenzen. Für Trumps, Brexits und nationale Fronten, die sich an die gestrige Welt klammern. Personen und Bewegungen, die für eine Welt stehen, die längst vergangen ist und dennoch eine Welt, in die diese Menschen gerne zurückwollen. Vielleicht weil “alles besser” war, sicherlich weil das Unbekannte so groß und so mächtig ist, dass es nicht so einfach gegriffen werden kann.

Zukunftskompetenzen lassen sich erlernen

Darüber sprechen oder schreiben ist das eine. Natürlich ist es erst einmal unschön, wenn ich auf historische Ereignisse hinweise, die beunruhigend waren und noch heute sind. Ich tue dies auch nicht, um hier die super Lifehacks und Futuretools für Deine beste Zukunft anzuteasern oder weil ich Dir Angst machen möchte. Als Historiker und an gesellschaftlichen Veränderungen interessierter Mensch, mache ich meine Beobachtungen und ziehe meine Schlüsse. Auch ich weiß nicht, wie sich die Welt entwickeln wird. Sehr wohl bin ich in der Lage mir ein System zu bauen und Techniken zu erlernen, die es leichter machen mit Stress und Veränderungen umzugehen.

Für mich ist es daher ein essentieller Bestandteil meiner Arbeit und auch dieser Plattform Wege und Techniken zu zeigen, die es möglich machen können mit dieser großen Unsicherheit und dem Unbekannten umzugehen. Werkzeuge zu erlernen mit denen es möglich wird auf große Stressoren zu reagieren und diese gewinnbringend für sich einzusetzen. Stress verhindern oder Veränderung stoppen will ich damit nicht. Das kann ich nicht. Und auch das musste ich selbst lernen. Stress gehört zum Leben, wie auch zur Veränderung dazu. Je größer die Veränderung, desto größer kann der Stress werden.

Widerstände leben und lieben

Natürlich gibt es keine Zauberwaffe oder eine magische Zaubertechnik. Den gibt es vermutlich für nichts im Leben. Wenn du selbstbestimmter und freier werden willst, musst du dir genauso den Arsch aufreißen, wie wenn du 10 Kilo abnehmen willst. Hinter allen diesen Dingen steckt Arbeit. Mal hart und mal weniger hart. Eine Schule oder eine Lebensauffassung oder Technik ist Resilienz. Wieder ein neues und vielleicht auch komisches Wort. Ich nenne es zum Beispiel “Stress lieben”. Im Grund ist Resilienz einfach Widerstandsfähigkeit gegen welche Art von Stress auch immer. Hier und da wird sie auf die Psychologie beschränkt. Persönlich würde ich immer vom ganzen Menschen, also auch dem Körperlichen ausgehen. Genauso lässt sich Resilienz auch auf Unternehmen, ganze Gesellschaften oder Ökosysteme anwenden. Sie alle sind Stressoren von Innen und Außen ausgesetzt und lernen sich anzupassen. Sie wappnen sich gegen Krisen, in dem sie das durch Schmerzen erlernte adaptieren und verbessern. Das ist der reaktive Teil. Im aktiven und proaktiven Teil wird Resilienz erst so richtig spannend und interessant.

Wasser fließt…


“Empty your mind.
Be formless, shapeless. Like water.
You put water into a bottle and it
becomes the bottle.
You put in a teapot, it becomes the teapot. Water can flow, or it can crash.

Bruce Lee

Diese kurzen Sätze des berühmten Kampfkünstlers, Schauspielers und Philosophen sind eine Art den Resilienz-Begriff in Worte zu fassen. Eine von vielen Möglichkeiten. Und doch kommt die Metapher des Wassers in seinen verschiedensten Zuständen der Resilienz wirklich sehr nahe. Wasser kann seine Form beliebig verändern. Es kann ganz klein und ruhig sein oder zu einem mächtig Strom anschwellen. Es kann kochen und frieren und doch bleibt es immer Wasser. Es akzeptiert die Tatsache, dass es sich an Zustände flexibel anpassen kann und somit seinen eigenen Zustand. Wasser verbindet sich mit Wasser und vielen anderen Dingen und stärkt sich so nur noch. Darüber hinaus findet es immer eine Lösung, denn es fließt oder bricht, friert oder kocht. Die äußeren Umstände sind Wasser egal, denn es kennt mehrere Zustände. Und es geht dabei so optimistisch vor, dass es diese Zustände auch annehmen kann. Wasser “nimmt sich immer selbst wahr” und weiß genau um seine Macht. Es kennt seine Selbstwirksamkeit und geht daher in vollkommener Flexibilität auf.

Überhaupt ist es Akzeptanz. Die eigene Natur zu kennen und zu akzeptieren. Die Dinge so zu nehmen wie sie sind und nur das zu verändern, was wirklich zu verändern ist.

Lerne mit mir

Wie also werden wir nun wie Wasser? Wie kommen wir diesem Idealzustand von Resilienz näher? Verflüssigen ist sicherlich eine Idee, wahrscheinlich keine sonderlich leicht Umsetzbare. Doch es gibt Wege und Techniken, mit denen wir uns diesem Idealzustand langsam annähern können. Alle genannten Teilbereiche Akzeptanz, Bindung, gesunder Optimismus, Lösungsorientierung, Selbstwahrnehmung, Selbstreflexion und Selbstwirksamkeit können wir Muskeln gleich über Reize trainieren. Völlig klar, dass diese Reize unterschiedlich ausfallen werden, denn jeder Bereich ist anders entwickelt und anders trainiert. Nach und nach werde ich hier auf meinem kleinen Think and Do Tank diese Techniken und Methoden vorstellen und auch selbst ausprobieren. Ganz im Sinne der Selbstwirksamkeit will ich nicht anpreisen oder hinauswerfen, dass ich selbst nicht getestet habe. Also nur Dinge, die ich guten Gewissens weitervermitteln kann. Zu Risiken und Nebenwirkungen quasi…

Ganz nach den Worten von Bruce Lee möchte ich hier ein Trainingsangebot schaffen, dass es möglich macht mit den Herausforderungen zu fließen und an ihnen zu wachsen. Bewusst sich nicht dagegen zustellen oder anzurennen. Alles soll im Fluss sein, alles darf fließen. Es soll rund um Resilienz ein Angebot entstehen, mit dem es möglich sein soll sich den Herausforderungen dieser Tage und der kommenden Tage entsprechend zu stellen. Völlig gleich wie diese dann am Ende ausfallen werden.

In diesem Sinne, “Be water, my friend!”

Photocredits
Titelbild – Aziz Acharki (unsplash.com)

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